12. April 2019

#sprachlos

Neulich früh morgens im Bus

Ich bin vertieft in einem Wirrwarr zusammenhangloser
Gedankenfragmente.

Mir gegenüber, nennen wir sie Romina, sitzt eine junge Dame mit
Smartphone unterhalb des Kinns.

Sie spricht ca. 30 Sekunden (hinein): „Hallo Gina, es ist da……..das Geld
vom Amt…….jetzt geh‘ ich mit Shania-Fabienne Handy kaufen……hab‘ ich
versprochen……mach‘ ich jetzt……“

Romina blickt dann aufgeregt auf ihr multifunktionales Allzweck-Tool.

Na endlich: „Sie haben eine Sprachnachricht“. Sie hält den Laberknochen
fix ans Ohr und lauscht ca. weitere 30 Sekunden den offensichtlichen
Wendungen des Aufgesprochenen.

Sie spricht: „Toll, dass Du endlich Job hast………da wünsche ich Dir viel
Spaß heute am ersten Arbeitstag…..mach’s gut………..war die Marina mit
Dir eigentlich Wohnung gucken?….“

Starrer Blick auf den Schnackomat.

Nach einer, ihr deutlich ansehbar, gefühlten Ewigkeit der erlösende Ton
der Glückseligkeit.

Sie nimmt das Zweithirn ans offensichtlich heiß-rote Ohr. Der Inhalt der
Nachricht könnte von Experten bestimmt am hin- und her rutschen auf dem
Sitz, Kopf wippen und Augenbewegungsmustern dechiffriert werden.

Der Taschenbimmel wandert noch einige Male vom Ohr unter das Kinn und
zurück.

Nach 20 Minuten gemeinsamer Fahrt verlasse ich diese Szenerie des Stop
& Talk sprach- und grußlos.

Ich stelle mir in meinem Leben viele, manchmal viel zu viele, Fragen.
So auch diese: Was wäre, wenn Gina und Romina einfach miteinander
telefoniert hätten?

Bernd Raguse

Photo: Bernd Raguse

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