2. Juni 2019

#liebestrunken

Ver-rückte Homestory

 

Ich komm‘ liebestrunken nach Hause, stolpere fast über unseren Hund Enpunkt, der es sich auf dem Schrank gemütlich gemacht hat und möchte einfach nur noch meiner Frau Pepunkt in die verschränkten Arme fallen.

 

Sie schwingt sich von der Deckenlampe zu mir herunter und schiebt mich sogleich liebevoll bei Seite, um den Hund vom Schrank zu holen, da es Zeit für sein Futter ist.

 

Pepunkt hängt ihm einen Einkaufsbeutel mit 5 Euro und einem Stück getrocknetem Lungenfleisch vom einheimischen Hirsch als Wegzehrung für seinen Gang zum Konsum um den Hals.

 

In der Zwischenzeit mache ich es mir bequem, lege meine Beine auf den Wohnzimmertisch, und schaue verzückt aus dem Schlafzimmerfenster.

 

Mir fällt natürlich auf, dass Pepunkt wieder neue dekorative Akzente gesetzt hat, und ich werfe ihr einen verliebten Blick zu, der sie verfehlt, da sie in einer geklauten Lesezirkel-Illustrierten ihrer Zahnärztin blättert.

 

Der angeschaltete Fernseher steht nun mit der Rückfront zum Wohnraum und wirft eine muntere Bilderabfolge an die Wand, wodurch der Wunsch nach einer Phototapete nun hinfällig ist.

 

Ich steige vom Tisch und lande sogleich im Garten. Es fehlt offensichtlich ein Endstück vom Haus. Ich vermisse es nicht, da wir nun mehr Gartenfläche zur Verfügung haben.

 

Frau Bepunkt, unsere hinreißend altbackene Nachbarin, begrüßt mich am 3 Meter hohen Stacheldrahtzaun sogleich warmherzig mit einem frisch gebackenen, ungenießbaren Apfelpfannkuchen.   

 

Ich verziehe keine Miene beim Essen, da ich den Mut der alten Dame bewundere, wie sie ohne Leiter auf den Apfelbaum geklettert sein musste.

 

Enpunkt ist vom Einkauf zurück, bringt mir Pantoffeln, die Frau Bepunkt wohl auf dem Apfelbaum vergessen hatte , türmt das Wechselgeld neben einem seiner Häufchen auf dem neuen Flokatiteppich auf und macht sich über eine mitgebrachte, tausendfach Hunde-Pipi-markierte Straßenlaterne her.

 

Ich kraule den Hund und steige sogleich aus dem Auto, welches nun offensichtlich Platz in unserem Bad gefunden hat.

 

Ein neuer Spiegel weckt meine geteilte Aufmerksamkeit. Es ist ein wahres Spiegelkabinett, welches mich mit einem breiten Grinsen an meine unbehütete Kindheit als Kirmesmitreisender erinnert.                              Nachdem ich mein Antlitz in allen Größen und Formen bewundern konnte, rufe ich sogleich unsere Vermieter an, um meinen Dank für diese, nur wenige Jahre nach Beauftragung angebrachte, Handwerkskunst in wenigen und unpassenden Worten auszudrücken.

 

Das Vermieterpaar kommt sogleich mit einem leckeren Rotwein mit Schraubverschluss und Flockenbildung vorbei. Ungefragt wird mir die Rechnung über einen angemessenen und unbedeutend hohen 4-stelligen Betrag mit einem Tusch präsentiert, um die Stimmung auf den Höhepunkt zu treiben.                              

Extatisch und gönnerhaft drücke ich ihnen den  größtmöglichen 5 Euro-Schein mit einem Augenzwinkern als Trinkgeld für ihre Mühen in die Hand, und wir feiern ausgiebig.

 

Nach diesen, wirklich herzlichen und nie enden wollenden, 5 Minuten verabschieden die beiden sich grußlos, und Pepunkt nimmt meine Hand und zeigt mir endlich weitere Veränderungen im Schlafzimmer unseres feuchtfröhlichen Hauses.

 

Ich wundere mich nicht über das, sich unaufhörliche drehende, kreisrunde Schlafzimmerbett, die Decken-Discokugel, das neue Hundebett mit Flügeltüren, die 3 Ziegen und 5 Minischweine und den Durchbruch zu unserer Nachbarin. Wem gehört eigentlich dieses Gebiss?

 

Müde falle ich mit Pepunkt auf das Bett, lausche der Spieluhr im Takt der Drehung des neuen Schlafmöbelstücks.  Mir gefällt die Marschmusik, die viele Wünsche offen lässt und mich sogleich nach wenigen Stunden unsanft in einen angenehmen Sekundenschlaf begleitet.

Bernd Raguse, alias Reiner Unsinn

 

Photo: Bernd Raguse

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